Implizite Energetisierung

Wir können nur Ziele erreichen, für die wir heute alle Ressourcen haben

Ziele, die wir erreichen wollen, müssen erreichbar sein. Das bedeutet, dass alle Ressourcen und Kommunikationsmöglichkeiten dafür in diesem Moment verfügbar sein müssen. Sonst gibt es keinen Pfad von der Gegenwart zum Ziel.

Porter's 5 forces gelten nach wie vor als ein Klassiker der Managementliteratur. Die Frage, die Porter beantwortete war die, wie sich ein Unternehmen am Markt ausrichten muss, um erfolgreich zu sein. Damit war gemeint, wie es sich gegenüber anderen durchsetzen und andere aus dem Markt verdrängen kann.

In den 1970er Jahren wurde der Markt als beschränkt angesehen, national und produktionsseitig. Dank Globalisierung und Digitalisierung schaut das heute anders aus: Es gibt mehr offene Märkte, digitale Güter können einfacher bereit gestellt und konsumiert werden. Die Aufmerksamkeitsspanne der Kunden ist zwar auch beschränkt (binge watching), aber doch nach oben weit elastischer als eine reale Nachfrage nach Konsumgütern. Die Frage ist inzwischen also eher, wie ein originelle, nischenspitze digitale Produkte zusätzlich erzeugt werden können.

Eine Orientierung am Markt zeigt dabei nur, was es schon gibt, aber nicht, wie das neue aussehen soll.

Damit kommt das Konzept der Kernkompetenzen ins Spiel, das von Prahalad und Hamel 1990 in der Harvard Business Review unter dem Titel The Core Competence of the Company als Gegenkonzept erschien. Beide erkannten, dass nicht jedes Unternehmen beliebig alles machen kann, beliebige Ziele erreichen kann, weil es dafür ja bestimmte Kompetenzen benötigt, die nicht jeder hat. In Zeiten des Fachkräftemangels wird dem wohl jeder zustimmen.

Ein Problem dabei ist, was eine Kernkompetenz genau ist und wie diese erkannt werden kann (VRIO). Eine andere Herausforderung dann, wie man von dieser Kernkompetenz zu einem neuen Produkt finden kann.

Die neue Produktidee kann dabei nie von aussen oder hierarchisch von oben verordnet werden. Sie muss sich immer aus den bestehenden Ressourcen – inklusive der bestehenden Kommunikationsprozesse — ergeben.

Der Weg zur Innovation startet also heute mit den Kernkompetenzen und allen Ressourcen, die aktuell da sind. Wenn es keinen Pfad vom heute zur Innovation gibt, wird es diese nie geben.

Mit impliziter Energetisierung ist also das Anregen eines Kommunikationsprozesses gemeint, der diesen Weg zur Innovation heute und jetzt starten.

Wie realistisch ist realistisch?

Die wesentliche Einschänkung dabei ist die Definition von realistisch – als Teil der “SMART”-Definition von Zielen. Häufig wird deshalb wohl zu früh schon mit dem innovativen Denken gestoppt, bevor das neue überhaupt erst zu Tage treten durfte.